Die Entscheidung der EU ist gefallen. Die Mehrheit, zumindest der anwesenden EU- Parlamentsmitglieder, hatte sich am 08.06.2022 für das faktische Ende der Verbrennungsmotoren in PKW und leichten Nutzfahrzeugen/Transportern ausgesprochen und die Länder haben mittlerweile zugestimmt. Sogar Deutschland, das die Folgen wohl am Deutlichsten spüren wird.

Die beschlossene Reduzierung der Emissionen auf Null, gemessen nur am Auspuff, ist die immer gleiche Mogelpackung namens Tank-to-Wheel. Vernunft, Einsicht oder Verstehen seit Jahren Fehlanzeige – von der Kommission über das Parlament bis zu vielen Politikern in Bund und Land. Ganz egal, von welcher Seite berechtigte Kritik und Gegenvorschläge eingebracht werden: Fachverbände, Wirtschaftsexperten, selbst Forschung und Wissenschaft werden ignoriert – welch ein Armutszeugnis für die so genannten "Volksvertreter"!

Die Entschließung besiegelt ab 2035 das Ende einer automobilen Ära in Europa. Ab dann erfüllen nur noch Elektromobile die Zulassungsbedingungen für Neufahrzeuge.

 

Fern von Realität und Volk

Dabei ist das unsinnige "Verbrennerende" sogar weniger enttäuschend als die komplette Ablehnung aller weiteren Maßnahmen, die Chancen für klimaneutrale Alternativen – sogar bis hin zu CO2-negativer Bilanz mit BioCNG-Fahrzeugen – für den automobilen Bestand bieten. Doch ohne CO2-Flottenziel-Nutzen sind CNG-Fahrzeuge für die OEM's künftig noch weniger interessant, die Luft für unsere Nische wird also noch dünner. Dabei wäre mit vielen nachhaltigen Technologien eine deutlich schnellere Defossilisierung des Fahrzeugbestands sowie ein sinnvoller, sozialverträglicher und deutlich klimaschonenderer Übergang möglich. Das zeigt letztlich, es ging (und geht) im Grunde gar nicht um Klimaschutz, sondern um Strategien gegen einfache, individuelle Mobilität - also das, was uns als Verbraucher auf unterschiedlichste Weise bewegt.

Die jetzige Entscheidung ist eine sehr bittere Pille nicht nur für alle, die für Technologieoffenheit, den Fortbestand erfolgreicher Konzepte und innovative Zukunftslösungen gekämpft haben, sondern für die gesamte Bevölkerung und Wirtschaft in Europa. Kaum zu glauben, dass sich ausgerechnet die Sozialdemokraten, denen doch angeblich die Verbraucher besonders am Herzen liegen, für diese sozial unausgewogene Entwicklung stark gemacht haben. Vermutlich nicht nur in Deutschland scheint diese Partei von den Bürgern entfernter denn je. Allerdings kenne ich mich mit dem Parteienspektrum und -programm in den übrigen EU-Staaten nicht sonderlich aus.

Überhaupt wurde nicht einmal daran gedacht, bei einer so tiefgreifenden Entscheidung den Willen der EU-Bürger abzufragen. Warum wohl nicht? Stattdessen werden 450 Millionen Menschen lieber unabsehbare Konsequenzen aufgezwungen.

Statt endlich Verbraucherwohl und Klimaschutz in den Fokus zu nehmen, lässt sich die Politik wohl lieber von der Vision einer fernen märchenhaften Zukunft blenden, wie sie vor Jahr und Tag auf der Website des BMU (heute BMUV) unter Svenja Schulze eingestellt war. Bullerbü wäre noch sehr untertrieben.

Doch wie sieht es jenseits der Luftschlösser mit der Realität oder gar praktischen Umsetzung aus? Sind die sehr ungleichen Staaten Europas überhaupt bereit und fähig, diesen Wandel zu stemmen? Woher soll das nötige Geld kommen, wenn man gleichzeitig das wirtschaftlich stärkste Geberland dauerhaft schwächt?

 

Ein kleiner Ausblick quer durch den Garten

Für viele hiesige Unternehmen mag der Weg durchaus gangbar sein. Sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze wird es in der Automobilbranche weiterhin geben, aber deutlich weniger und nicht mehr unbedingt vor Ort. Man verkleinert sich, lagert aus, verlässt Deutschland in Teilen oder zur Gänze. Auf der Strecke bleiben die Arbeitsplätze, Existenzen, die Kaufkraft, das soziale Gefüge. Der massive Paradigmenwechsel offenbart aber auch ungelöste Beschaffungsprobleme: Woher sollen in Europa überhaupt die benötigten Rohstoffe kommen? Zu welchem Preis? Wie stabil sind Lieferketten? Schon heute ist die Abhängigkeit von China – auf diesem Gebiet wichtigster Handelspartner und zugleich größter Konkurrent! – mehr als kritisch.

Politische Glaubwürdigkeit - von wegen: Die Unabhängigkeit von autokratischen Regimes, Diktaturen und unzuverlässigen Partnern liegt im nationalen wie im europäischen Interesse und steht als Ziel weit oben in der politischen Agenda. Stattdessen werden gerade neue, dauerhafte Abhängigkeiten geschaffen, obwohl eine zumindest in Teilen autarke nationale Kraftstoffproduktion z.B. mit BioCNG problemlos möglich wäre.

Innovationspotenzial und Wirtschaftsbeziehungen werden verschenkt: eFuels und andere regenerative bzw. klimaneutrale Kraftstoffe bieten ein hohes Entwicklungspotenzial. Und die Chance, mit vielen, oft ärmeren Ländern neue Kooperationen einzugehen, um diese dort deutlich effizienter in großem Maßstab zu produzieren. Dies ermöglicht dauerhafte Perspektiven für die Menschen dort und führt zu einer Win-Win-Situation für alle. Diese Chancen vergibt sich Europa mit den aktuellen Entscheidungen.

Gesellschaftliche Verantwortung ist Fehlanzeige: Die politisch wirklich gewünschte "Mobilität der Zukunft" ist bislang noch nicht in Ansätzen kommuniziert. Woher sollen Verständnis und Akzeptanz für massive Veränderungen und künftige Einschränkungen individueller Mobilität kommen, wenn die Bürger nicht vernünftig vorbereitet werden? Obendrein entstehen enorme finanzielle Belastungen beim Aufbau neuer Infrastruktur, die ebenfalls von heutigen und künftigen Generationen mitgetragen werden müssen.

Klimaziele werden verfehlt: Die heutigen CO2-Probleme bestehen weiter, die Emissionen im Verkehr bleiben konstant hoch, das CO2-Budget verpufft. Statt die aktuelle Fahrzeugflotte durch klimaneutrale Kraftstoffalternativen zu dekarbonisieren und schrittweise auf alternative Antriebstechniken umzusteigen, bleiben klimaschädliche Benziner und Diesel mit fossilen Kraftstoffen noch lange erhalten. Wer sich kein E-Auto leisten oder sinnvoll betreiben kann, wird dann umso länger am bestehenden PKW festhalten. Zudem werden die realen Emissionen, Umweltbelastungen und -schäden durch die forcierte E-Mobilität wie bisher vertuscht: Rohstoffbeschaffung, Produktion, Betrieb, auch Entsorgung bzw. Recycling sind keineswegs gelöst. Grüner Strom steht weder heute noch morgen ausreichend zur Verfügung.

 

Mein persönliches Fazit: Die Entscheidung der EU ist nach all den Bemühungen und Appellen extrem enttäuschend, mit massiven Kosten verbunden und dürfte nichtsdestotrotz auf absehbare Zeit alle gewünschten Ziele verfehlen. Schlecht für Europa, eine Niederlage für Klimaschutz und Verbraucher in den Mitgliedstaaten.

Trotzdem halte ich an meiner Strategie und Überzeugung für die CNG-Mobilität fest und werde mich weiter dafür einsetzen. Jetzt erst recht, denn umweltschonende und kostengünstige Individualmobilität bleibt wichtig - sowohl für das Klima als auch die Verbraucher in Deutschland und Europa. Durch die schweren Nutzfahrzeugen wie LKW, Busse etc. ist der Erhalt der Tankstelleninfrastruktur zumindest erst einmal gewährleistet und auch ein vernünftiges Preisniveau auf Dauer wahrscheinlich.

 

Doch jetzt geht's erstmal zurück zur Urlaubsplanung – natürlich auf vier umweltschonend angetriebenen Rädern. In ein paar Wochen dann vielleicht mehr dazu :-)

 

Zur Person:

Winfried Hackel ist seit 2003 mit CNG-Fahrzeugen unterwegs, sowohl auf vielen Straßen Europas als auch in der Community. Der Werbetexter und Italo-Fan startete mit einem familienfreundlichen Fiat Multipla BiPower, heute wird fröhlich zwischen Touran TSI EF und Panda NP gewechselt. Neben der universellen Einsatzfähigkeit der Fahrzeuge begeistert ihn bei der CNG-Mobilität die perfekte Kombination aus Klima- und Kostenbilanz mit BioCNG.

Der Blog-Beitrag spiegelt die persönliche Meinung des Autors wieder. Für die Inhalte ist der Autor allein verantwortlich.

 

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